<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Yorik-Finnley</title>
	<atom:link href="http://www.yorik-finnley.de/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://www.yorik-finnley.de</link>
	<description>☼ 21.10.2011 - ✝ 18.02.2012</description>
	<lastBuildDate>Fri, 13 Apr 2012 20:01:43 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.3.2</generator>
		<item>
		<title>Webseite und Community im Aufbau</title>
		<link>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/23/webseite-und-community-im-aufbau/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=webseite-und-community-im-aufbau</link>
		<comments>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/23/webseite-und-community-im-aufbau/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 13:58:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Torsten</dc:creator>
				<category><![CDATA[Website-Update]]></category>
		<category><![CDATA[Anlaufpunkt]]></category>
		<category><![CDATA[Aufbau]]></category>
		<category><![CDATA[Community]]></category>
		<category><![CDATA[Gemeinschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Infobrief]]></category>
		<category><![CDATA[Informationen]]></category>
		<category><![CDATA[Magazin]]></category>
		<category><![CDATA[Webseite]]></category>
		<category><![CDATA[Yorik-Finnley]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.yorik-finnley.de/?p=351</guid>
		<description><![CDATA[Es hat sich doch einiges im Hintergrund getan um die Webseite Yorik-Finnley.de und durch die Entscheidung der Familie von "Yofi" in Bezug auf diese Webseite.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Es hat sich doch einiges im Hintergrund getan um die Webseite Yorik-Finnley.de und durch die Entscheidung der Familie von &#8220;Yofi&#8221; in Bezug auf diese Webseite. Entschieden wurde ganz klar, dass diese Webseite in jedem Fall bestehen bleibt &#8211; was auch geschieht. Zu Beginn haben wir vorerst einen Infobrief für alle Interessierten und Freunde gestaltet, der in den nächsten Tagen auch die ersten Informationen an jeden Abonnenten übermittelt. Nun stellen wir kurzfristig das Design um. So können wir das geplante Eltern-Magazin und die verbundene Community technisch als auch visuell gestalten. Sicherlich mögen Stimmen laut werden, dass man evtl. jetzt Profit aus den vergangenen Geschehnissen schlagen möchte. Dies wird <strong>nicht</strong> passieren. Der Wunsch der Eltern ist es einen globalen Anlaufpunkt anzubieten für Eltern, Interessierte und vor allem Betroffene welche ebenfalls in einer befindlichen Ausnahmesituation nicht alleine gelassen werden möchten sondern hier Informationen, Anlaufpunkte sowie Adressen erhalten und auch Aufrufe sowie Diskussionen veröffentlichen/führen können.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir wollen <strong>nicht</strong> wie jedes &#8220;andere&#8221; Magazin oder Community wirken. Ebenfalls möchten wir keine Kopie von Irgendwas installieren. Für uns ist es wichtig einen Anlaufpunkt/Gemeinschaft zu bilden und zu pflegen. Genauere Beschreibungen möchten wir Ihnen in den kommenden Tagen in unserem Infobrief zukommen lassen. Der Name Yorik-Finnley soll <strong>kein</strong> Markenname werden sondern in Gedenken ein Synonym für Hilfe, Fragestellung und Gemeinschaft sein.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/23/webseite-und-community-im-aufbau/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>4</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wie erklärt man Sehnsucht?</title>
		<link>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/18/wie-erklart-man-sehnsucht/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=wie-erklart-man-sehnsucht</link>
		<comments>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/18/wie-erklart-man-sehnsucht/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 18 Mar 2012 18:34:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>YoFisMam</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tagebuch von Mama]]></category>
		<category><![CDATA[Anteilnahme]]></category>
		<category><![CDATA[Bilder]]></category>
		<category><![CDATA[Duft]]></category>
		<category><![CDATA[Ehre]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Haut]]></category>
		<category><![CDATA[Kälte]]></category>
		<category><![CDATA[Lähmung]]></category>
		<category><![CDATA[Prinzen]]></category>
		<category><![CDATA[Schicksal]]></category>
		<category><![CDATA[Trost]]></category>
		<category><![CDATA[zu den Engeln]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.yorik-finnley.de/?p=344</guid>
		<description><![CDATA[Vier Wochen und einen Tag ist YoFi nun schon zu den Engeln gegangen und noch immer hält die Lähmung mich gefangen. An manchen Tagen sitze ich da, als sei meine Welt in Ordnung, lache mit Freunden, erinnere mich voller Freude an meinen kleinen Prinzen und suche die Tränen in mir, die sich so oft verweigern, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Vier Wochen und einen Tag ist YoFi nun schon zu den Engeln gegangen und noch immer hält die Lähmung mich gefangen.<br />
An manchen Tagen sitze ich da, als sei meine Welt in Ordnung, lache mit Freunden, erinnere mich voller Freude an meinen kleinen Prinzen und suche die Tränen in mir, die sich so oft verweigern, herauszukommen. Mein Gewissen schreit mich innerlich an und fordert, doch mein Körper ist wie erstarrt.<br />
Die Menschen um mich herum beäugen mich, als warten sie auf etwas, als werten sie, wie ich mit dem Verlust meines Kindes umgehe. Ich will ihnen nicht zeigen, wie es mir geht. Will sie nicht sehen lassen, dass in mir alles schwach ist. Je mehr ich es ihnen zeige, je grausamer sind oft die Floskeln, mit denen sie um sich werfen, um ihr eigenes Gewissen zu beruhigen, wenigstens das Beileid ausgesprochen zu haben.<br />
So viele Menschen beurteilen und ziehen Register über das Leben meines Sohnes, dass ich fast glauben könnte, sie reden von ihm, als kannten sie ihn. Nur kannten sie ihn dann nicht wirklich!</p>
<p style="text-align: justify;">Ist den Menschen eigentlich bewusst, wie sehr Worte verletzen wie „Wer weiß wozu es gut ist!?“, „Er leidet doch nun nicht mehr.“, „Das Schicksal wird wissen, warum es das so gewollt hat“ oder „Ihr habt doch noch so viele andere Kinder&#8230;“<br />
Gerade beim letzten Satz möchte ich primitiv werden!<br />
Wie kann man Eltern so etwas sagen? Für mich ist jedes meiner Kinder individuell und einmalig! Wie kann man von einem verstorbenen Kind wie von einer defekten Küchenmaschine sprechen, die man jederzeit austauschen oder ihre Funktion von anderen Küchengeräten übernehmen lassen kann?<br />
Ich sollte darüber stehen, über die dreiste Naivität der Menschen, die sie mit „Klugheiten“ um sich werfen lassen, die niemand, außer sie selbst vielleicht hören wollen. Aber das kann ich nicht. In mir wächst die Wut auf die, die mein Kind und sein Leben bewerten, uns als Familie beobachten und beurteilen.<br />
Viele von ihnen tuscheln hinter unserem Rücken „Das ist die Familie mit dem behinderten Kind. Die konnten den Hals mit Kindern ja nicht voll genug kriegen&#8230;“<br />
Erbärmlich! Einfach nur erbärmlich!!!</p>
<p style="text-align: justify;">Solche Menschen scheren sich nicht im Ansatz, wirklichen Trost oder Anteilnahme vermitteln zu wollen. Sie wollen nicht auffangen oder halten. Für diese Menschen ist man nur die Grundlage einer neuen Story, über die man sich das Schandmaul zerreißen kann, weil man im eigenen Alltag zu frustriert ist, sich über das eigene Leben Gedanken zu machen.<br />
Oh ja, ich bin mir bewusst, dass auch von ihnen einige dabei sind, die dies hier lesen. Das dürfen sie auch gern tun. Dann haben sie den nächsten Aufhänger abwertend über uns zu reden. Ich brauche diese Menschen nicht. Habe sie nie gebraucht und werde sie nie brauchen. Schade ist nur, dass sich meist die Falschen angesprochen fühlen, die sich Gedanken darüber machen, ob sie wirkliche Freunde für uns sind. Gerade diese ECHTEN Freunde sprechen mit uns, sagen ehrlich, wenn ihnen die Worte fehlen, sie nicht wissen, was sie uns wünschen sollen. Sie werten uns nicht, sondern sind einfach da. Ist es nicht seltsam, dass diese Menschen, die teilweise hunderte Kilometer entfernt leben, einem manchmal näher stehen, als die Menschen, denen man tagtäglich auf der Straße begegnet?<br />
Ich will nicht unfair sein. Auch in unserem direkten Umfeld gibt es liebe Menschen, die an unserer Seite stehen. Aber im Vergleich zu denen, die auf uns herabzusehen versuchen, bilden sie eine Minderheit. Zumindest kommt es einem oft so vor.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Vergangenheit habe ich meist bewusst ignoriert, wie grausam die Menschen um einen herum sein können. Auch jetzt würde ich keinen Gedanken darüber verschwenden, wenn es dabei nicht um ein Urteil über mein Kind ginge.<br />
Ich erlaube niemandem, der meinen Sohn nicht kannte, niemandem, der uns nicht nah genug steht, um unser Wesen zu kennen, eine Beurteilung über YoFi abzugeben. Mein Sohn lebte und wir waren an seiner Seite. Wir haben ein so großes Wunder erfahren, so viel von ihm gelernt, dass ich die, die sich in ihrem Abstand sicher fühlen und hinter unserem Rücken reden, fast bemitleiden könnte, weil sie nie verstehen werden, wie es ist, ein Wunder zu erleben. Sie sind arm, wenn sie ihr Augenmerk auf eine behindertes Kind fokussieren, dass sehr krank war und „gnädigerweise“ sterben durfte.<br />
Ab dem Moment seiner Geburt, sahen wir unseren kleinen Prinzen nicht als behindert an und wir hätten uns niemals das Recht herausgenommen zu denken, dass sein kleiner Körper nicht verdient zu leben. Für uns gab es nur Yorik-Finnley, einen tapferen und großen Kämpfer, der ein so wunderbares, offenes Herz für jeden hatte, der ihm mit Zuneigung begegnete.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie also soll man nach außen trauern, wenn man weiß, von welchen Hyänen man teilweise umringt ist? Da bleibt nur, sich in seine Kammer zu verschließen, im Dunkeln zu weinen. Still und für sich allein. Ja, das sind intime Momente, die ich nicht mit denen teilen werde, die es in meinen Augen nicht verdienen, überhaupt über meinen Sohn zu sprechen.<br />
Und ich werde es auch nicht denen gegenüber tun, die über mich sagen, es sei krank und geltungssüchtig, öffentlich mein Tagebuch zu schreiben, um Aufmerksamkeit zu erregen oder gar Geld damit zu verdienen. Ich wusste noch gar nicht, dass man für das Niederschreiben seiner Gefühle Geld bekommt. Vielleicht können die, die etwas solches behaupten, mir Stellen nennen, wo ich eine Rechnung einreichen kann?<br />
Da draußen sind so viele Menschen, die Ähnliches erleben mussten oder gerade müssen, wie wir. Sie kennen die Gefühle, wissen, wie einsam man sein kann und wie Angst und Hoffnung zu zerfressen vermögen. Zu viele von ihnen kennen Reaktionen des Umfelds, wie wir sie erleben. Für DIESE Menschen schreibe ich meine Gefühle öffentlich. IHNEN möchte ich zeigen „Ihr seid nicht allein!“. Und in jedem Brief, der mich erreicht, von Menschen, die mir danken, weil ich ausgesprochen habe, was auch sie fühlen, weiß ich, wie richtig es ist, nicht aufzuhören. Diese Menschen fühlen sich angesprochen, schreiben mir ihre Geschichte und lassen zu, dass man an ihren Gefühlen teilhat. Das empfinde ich als Ehre!<br />
Aber ich danke auch den Menschen, die den Mut haben, meine Gefühle mitzuerleben, ohne selbst erfahren zu müssen, wie groß der Schmerz des Verlustes sein kann. Aus ihren Zeilen erfahre ich, dass Ignoranz keine typisch menschliche Eigenschaft ist, sondern dass viel mehr Menschen bereit sind, einander näher zu kommen und sich gedanklich fest im Arm zu halten.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir sind dabei, die Homepage von YoFi zur Community auszubauen, in der Menschen, die Ähnliches erlebten und erleben, wie wir, einen Platz finden können, wo sie nicht der Ignoranz und Kälte begegnen. Halt und Miteinander, wollen wir geben, füreinander da sein, zuhören, trösten und uns auch gemeinsam freuen, wenn Wege in die Zukunft führen. Das, die wahren Freunde um uns, aber vor allem meine Familie und die Erinnerung an meinen wunderbaren Sohn Yorik-Finnley, der immer mein ganz besonderer kleiner Sohn, mein Engel und Lehrer sein wird, sind die Kraft, die mir gestattet nach vorn zu sehen und ich werde mich niemandem gegenüber rechtfertigen, der das nicht verstehen kann oder will.</p>
<p style="text-align: justify;">Und wieder haben sich Tränen zurückgezogen, um der Wut Platz zu machen. Aber ist das wirklich so schlimm? Wut macht zumindest nicht schwach.<br />
Meine Schwäche und meine Tränen gehören nicht nach da draußen, sie gehören meinem kleinen Prinzen YoFi. Bei ihm weiß ich, dass ich weinen darf, wenn ich zu ihm spreche, sein Seepferdchen in den Armen halte und an seiner Decke rieche, die noch immer seinen Duft trägt.</p>
<p>Sehnsucht ist, wenn Dein Herz Dir Bilder zeigt,<br />
auf denen Deine Arme halten,<br />
Du Wärme spürst,<br />
zärtlich berührst<br />
und Deine Augen Dir die Leere offenbaren,<br />
die in Deinen Armen liegt,<br />
Deine Haut Dich die Kälte spüren lässt<br />
und niemand da ist, den Du berühren kannst.</p>
<p>Für Yorik-Finnley</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/18/wie-erklart-man-sehnsucht/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>10</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Die Beerdigung</title>
		<link>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/02/die-beerdigung/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=die-beerdigung</link>
		<comments>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/02/die-beerdigung/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 02 Mar 2012 13:27:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>YoFisMam</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tagebuch von Mama]]></category>
		<category><![CDATA[bei uns]]></category>
		<category><![CDATA[bleibt]]></category>
		<category><![CDATA[gehen lassen]]></category>
		<category><![CDATA[gemeinsamen]]></category>
		<category><![CDATA[Mein Baby ist tot]]></category>
		<category><![CDATA[Tears in Heaven]]></category>
		<category><![CDATA[unsichtbar]]></category>
		<category><![CDATA[unwiderruflich]]></category>
		<category><![CDATA[versteinerten Mienen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbereitungen]]></category>
		<category><![CDATA[weißer Sarg]]></category>
		<category><![CDATA[YoFi's Lied]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.yorik-finnley.de/?p=340</guid>
		<description><![CDATA[Eine Woche konnten wir uns ablenken, mit den Vorbereitungen für den Tag, der uns so kalt und unwiderruflich den letzten gemeinsamen, irdischen Weg mit unserem kleinen Prinzen gehen lassen würde. Die ganze Woche bereiteten wir den Tag vor, an den wir nicht denken wollten, von dem wir uns abzulenken versuchten. Welch eine grausame Ironie! Und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Eine Woche konnten wir uns ablenken, mit den Vorbereitungen für den Tag, der uns so kalt und unwiderruflich den letzten gemeinsamen, irdischen Weg mit unserem kleinen Prinzen gehen lassen würde. Die ganze Woche bereiteten wir den Tag vor, an den wir nicht denken wollten, von dem wir uns abzulenken versuchten. Welch eine grausame Ironie! Und dann war er da, klammerte sich mit noch größerem Frost an uns fest, als die Temperaturen draußen aufbieten konnten.</p>
<p style="text-align: justify;">Überall aus Deutschland, kamen Freunde, die unseren letzten Weg mit YoFi begleiten wollten. Einige reisten bereits am Vortag an und wir trafen uns Freitagabend im Hotel, wo sie Zimmer gebucht hatten. Sie versuchten uns zu trösten, aber irgendwie hatte ich viel mehr das Gefühl, sie trösten zu müssen. Sie wollten uns festhalten, uns in ihren Armen weinen lassen, aber die Tränen in uns, fanden keinen Weg hinaus. Fast irreal wirkte so alles auf uns, wir begriffen noch immer nicht und redeten von YoFi so, als lebe er, als würde sein Körper nicht am nächsten Tag beerdigt werden. Hin und wieder sprachen wir von unserem kleinen Prinzen, aber es schien ein unausgesprochenes Gesetz, sofort das Thema zu wechseln, wenn der Schmerz übermächtig zu werden drohte. Auszusprechen „Mein Baby ist tot!“, brachte ich nicht fertig. Es wäre für mich gewesen, als sterbe er erst dadurch.</p>
<p style="text-align: justify;">Dann war es soweit, wir konnten nicht verhindern, dass die Zeit raste und wir aufbrechen mussten, um unseren YoFi zu bestatten. Vor dem Friedhof trafen wir uns. Einige Familienmitglieder, Freunde aus unserer Umgebung, Freunde, die sehr weite Entfernungen auf sich genommen hatten, um bei uns sein zu können. Selbst Achims Personalchefin war an unserer Seite.</p>
<p style="text-align: justify;">Gemeinsam gingen wir auf den Friedhof, um die Kapelle herum und da stand der kleine, weiße Sarg, wartete, von uns abgeholt zu werden und sah fast friedlich aus. Ein Gesteck aus Vergissmeinnicht, mit Schleierkraut und Efeu, so wie wir es uns für YoFi gewünscht hatten, lag fast entzückend und zart auf dem weißen Holz. Ab dem Moment, nahm ich alles nur noch schemenhaft war, registrierte nur noch einzelne Bilder, die sich aneinander reihten und in mir schrie es immer wieder „Nein! Nein, ich will das nicht! Holt mein Baby aus dem Sarg, legt es in meine Arme, lasst es mich festhalten und verschwindet alle, damit mein kleiner Prinz nicht wach wird, wenn ich ihn wiege.“</p>
<p style="text-align: justify;">Aber ich wusste auch, dass das nicht geht, klammerte mich an Achim, versuchte mich zusammenzureißen und nahm die kleinen Sträuße Vergissmeinnicht, die wir YoFi mit ins Grab geben wollten. Timo, Micky, Daniel und Werner, schritten mit versteinerten Mienen zum Sarg, fassten nach den Griffen und gingen dann langsam mit YoFi voraus, während wir ihnen folgten. Dieser winzige Sarg, der so klein war, dass seine Träger kaum hintereinander gehen konnten, ohne sich auf die Füße zu treten.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Grab angekommen, den Sarg meines Babys über dem tiefen Loch zu sehen, nahm mir fast die Luft und immer wieder drehte ich mich von dem Anblick weg, vergrub mein Gesicht an Achims Schulter, der seinen eigenen Schmerz nur darin ablenken konnte, indem er versuchte, mich zu trösten. Einem Impuls folgend, wäre ich am liebsten laut schreiend vom Friedhof gelaufen, als könnte Flucht verhindern, jetzt Abschied nehmen zu müssen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;">Leise begann eine Gitarre zu spielen und ich begriff langsam, dass der ehemalige Musiklehrer meines Mannes und meiner älteren Kinder gekommen war, um YoFi etwas zu bringen, was er so liebte. Musik.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum Gitarrenspiel von Herrn Buhl, sang Sandra „Tears in Heaven“ und ich hoffte, sie würden nie aufhören zu spielen, noch unzählige Male wiederholen, um einfach nur dort zu stehen und in Gedanken zu YoFi zu sagen „Hörst Du, Spatzi, sie singen für Dich. Hörst Du sie?“.</p>
<p style="text-align: justify;">Dann war es still. Nikki und Bettina traten nach vorn und Nikki tat etwas unbeschreiblich Starkes, von dem sie Tage gehofft hatte, die Kraft dazu aufbringen zu können, aber nicht wusste, ob sie es schaffen würde. Gestützt von Bettina, las sie die Worte vor, die ich geschrieben hatte, die ich meinem Sohn so gern selbst an diesem Tag gesagt hätte, aber nicht konnte, weil meine Stimme sich weigerte.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: justify;">„Erinnerung (von Deiner Mama)</p>
<p style="text-align: justify;">Ich erinnere mich, an ein zartes Gesicht, mit dunkelblauen Augen, die so wissend schauten.</p>
<p style="text-align: justify;">An sanfte Haut, die so gern liebkost wurde und ein Lächeln, das bis in mein Herz drang, um für immer sein Bild darin zu hinterlassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich spüre Deine Wange an meiner, wie Du Dich anschmiegst, mir vertraust und kaum hörbar seufzt, spüre Deine Wärme, während Du in meinen Armen schläfst und beobachte Dich. Jedem dieser Augenblicke, versuche ich in mir einen festen Platz zu geben, wie einem Altar, der Deinen Namen trägt. Ich möchte Deinen Duft einatmen, denn dann spüre ich, Du bist mir nah, auch wenn ich Dich nicht sehen und halten kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Mein Herz ist voller Erinnerungen. Momente, die uns gehörten. Ich spüre Deine Tritte in meinem Bauch, wie Du Dich wohlig streckst und denke daran, wie sehr ich mir wünschte, Dich für immer beschützen zu können.</p>
<p style="text-align: justify;">Ich dachte immer, dass Du mich so sehr brauchst, meine Kraft, meine Stärke und dann sah ich Dich zum ersten Mal, wie Du da lagst, in dem kleinen Bettchen. In diesem Moment wusste ich, dass ich Dich noch viel mehr brauche.</p>
<p style="text-align: justify;">Du warst meine Kraft und Stärke, Du warst es für uns alle, denn jedem, der an Dein Bett trat, gabst Du sie mit, wenn wir wieder gehen mussten.</p>
<p style="text-align: justify;"> Dein Weg, in diesem Leben, war steinig und doch schien es so, als schwebst Du über diese Hürden. Du nahmst sie, als wären sie nicht da und die Hindernisse, die Du nicht überwinden konntest, schautest Du mutig und schelmisch an.</p>
<p style="text-align: justify;">Oft saß ich an Deinem Bett, legte einen Finger in Deine kleine Hand, die aussah wie ein Stern und Tränen liefen über mein Gesicht. Ich dachte Du schläfst und dann drücktest Du meinen Finger, als wolltest Du sagen „Weine nicht, Mama, es wird doch alles gut!“</p>
<p style="text-align: justify;">Wie oft hast Du mich so getröstet? Ich weiß es nicht, weiß nur, es war oft.</p>
<p style="text-align: justify;"> Ich bleibe zurück, mit all denen, die Dich lieben und bin traurig, weil Deine Wärme mir fehlen wird. Aber ich weiß, Du hast mir etwas hinterlassen. Dein Vertrauen, Deine Zuversicht, Kraft und Fröhlichkeit. So Vieles haben wir von Dir gelernt und ich bin stolz, mich Deine „Mama“ nennen zu dürfen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir alle sind heute hier, um Dir zu zeigen, dass wir Deinen Weg für Dich weitergehen werden, uns immer an Dich erinnern werden und spüren, wie Du bei uns bist.</p>
<p style="text-align: justify;">Jeder Wind wird ein Streicheln von Dir sein. Jeder Sonnenstrahl Dein Lächeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Und wenn mich die Traurigkeit mit sich fortziehen will, dann schaue ich in mein Herz, erinnere mich an das, was Du mir gezeigt hast und verwandle meine Tränen der Trauer, in solche aus Glück, dass ich Deinen Weg begleiten durfte.</p>
<p style="text-align: justify;">Yorik-Finnley, mein Sohn, ich liebe Dich für alle Ewigkeit!“</p>
</blockquote>
<p style="text-align: justify;">Langsam ließen Timo, Micky, Werner und Daniel den Sarg ins Grab und ich konnte nicht hinsehen. Hätte ich es getan, ich hätte mich von meinem Mann losgerissen und wäre mit in das Loch gesprungen, um den kleinen weißen Sarg nicht mehr loszulassen. Wieder schrie es in mir, wieder konnte ich kaum dem Drang widerstehen, meinen Sohn in die Arme zu reißen und alle fortzujagen, die ihn mit Erde bedecken wollen. Innerlich schimpfte ich mit mir, mich zusammenzureißen und wieder war es die Stimme meines Mannes, die mich flüsternd in die Wirklichkeit zurückholte. Für einen Moment hörte ich das Schluchzen all der Menschen um uns, wusste nicht zuzuordnen und fiel für einen weiteren Augenblick in meine Starre.</p>
<p style="text-align: justify;">Bettina trat vor und sprach gemeinsam mit uns das „Vater unser“. Dann erklang erneut die Gitarre und alle zusammen, sangen wir YoFi das Lied vor, dass er seit der Zeit in meinem Bauch so geliebt hatte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: center;">„Funkel, funkel, kleiner Stern.<br />
Ach was hab ich Dich so gern.</p>
<p style="text-align: center;"> Nehm Dich mit an meine Hand,<br />
tanz mit Dir durchs Träumeland.</p>
<p style="text-align: center;"> Funkel, funkel, kleiner Stern.<br />
Ach was hab ich Dich so gern.“</p>
<p>&nbsp;</p>
<p style="text-align: justify;">Eine von uns jedoch weigerte sich zu singen. Mit zusammengekniffenen Lippen stand sie neben mir, hielt meine Hand, drückte sie fest und schaute traurig, fast trotzig zu Boden. Emily. Sie konnte nicht singen. Nicht jetzt, nicht hier, nicht, wenn dies der Abschied sein sollte. So oft, in den letzten Monaten, hatte sie dieses Lied für ihren Bruder gesungen. Als er in meinem Bauch war, wenn sie ihn in der Klinik besuchte und sogar, als wir ihn zwei Tage zuvor, ein letztes Mal sehen durften, in seinem winzigen Sarg. Aber hier und jetzt war es wie ein Boykott, als könne sie damit verhindern, dass ihr so geliebter, kleiner Bruder in das kalte Grab gelegt wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Langsam verließen alle den Friedhof und nur Achim, die Kinder und ich, blieben zurück, um einen kurzen Moment allein bei YoFi sein zu können. Jessi und Ronja waren kaum fähig, unter all den Tränen zu sehen. Daniel und Werner mussten sie stützen und konnten so selbst diese unerträgliche Situation besser überstehen. Mirco stand wie verloren da, zu keiner Regung fähig und Timo versuchte seine kleine Schwester zu trösten. Emmy und Romy waren kaum noch zu beruhigen. Sie spürten die Trauer, die Kälte, konnten ihre Gefühle nicht benennen, nicht verstehen, dass sie trauern, nur weinen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zu gehen, war unendlich schwer. Es fühlte sich an, als ließen wir YoFi im Stich, als setzen wir ihn an diesem kalten, nebligen Tag einfach aus und gehen wie gefühlskalt einfach weg. Als wir ebenfalls gingen, weinte und schrie Romy. Unsere kleine Romy, die mit ihren drei Jahren doch noch gar nicht verstand, was hier geschah, brüllte unter Tränen immer wieder, wir sollten sie loslassen, sie wolle Yorik holen und ihn mitnehmen. In diesem Moment fühlte ich mich fast schuldig. Wie hatte ich zulassen können, dass so viel Leid über meine Kinder kommt? Warum konnte ich nicht verhindern, dass mein jüngstes Kind nur ein Leben an Zugängen, nur in einer Klinik kennt, sterben und meine anderen Kinder so überwältigt mit dem Schmerz der Trauer weiterleben mussten?</p>
<p style="text-align: justify;">Noch lange saßen wir später zusammen und tranken Kaffee, aßen Kuchen, den all unsere Freunde und Verwandten mitgebracht hatten. Die Stimmung wurde heiter, wir erinnerten uns an so schöne Erlebnisse mit YoFi, sprachen über so viele Geschichten aus der Zeit, die wir miteinander befreundet sind und viel zu schnell verging diese Zeit des Beisammenseins. Nach und nach, brachen alle auf, unsere Großen gingen mit den Kleinen voraus. Zurück blieben Achim und ich.</p>
<p style="text-align: justify;">Wir zahlten, dann gingen wir zum Auto und saßen einen Augenblick Hand in Hand da. In diesem Moment wussten wir, dass es nun keine Flucht mehr vor dem Schmerz geben, dass nun die Zeit der Trauer beginnen würde. Noch etwas fester, drückte Achim meine Hand, er nickte mir kurz zu, als wolle er sagen „Packen wir es an.“, dann fuhren wir heim zu den Kindern. Heim, in ein Zuhause, in dem einer von uns immer fehlen würde: Yorik-Finnley, der unsichtbar bei uns bleibt.</p>
<p style="text-align: justify;"><em>Im Namen meine Familie, möchte ich „Danke!“ an all die sagen, die uns an diesem schweren Tag begleiteten. Danke, dass Ihr bei uns wart, persönlich und auch weit weg, in tiefen Gedanken.</em></p>
<p style="text-align: justify;"><em>Danke, für die Anteilnahme und Beileidsbekundungen, für die Karten, die tröstenden Worte und all das, womit Ihr unserer bedachtet und vor allem „Danke!“ besonders an die Menschen, die so unermüdlich alles dafür getan haben, unserem Yorik-Finnley eine Bestattung zu geben, die so viel Wärme mit sich brachte, trotz der kalten Trauer und der unser kleiner Prinz sicher lächelnd beiwohnte.</em></p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.yorik-finnley.de/2012/03/02/die-beerdigung/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>10</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Ein letztes Mal sehen</title>
		<link>http://www.yorik-finnley.de/2012/02/23/ein-letztes-mal-sehen/?utm_source=rss&#038;utm_medium=rss&#038;utm_campaign=ein-letztes-mal-sehen</link>
		<comments>http://www.yorik-finnley.de/2012/02/23/ein-letztes-mal-sehen/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 23 Feb 2012 15:00:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>YoFisMam</dc:creator>
				<category><![CDATA[Tagebuch von Mama]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[aufgebahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Aufregung]]></category>
		<category><![CDATA[Bestatter]]></category>
		<category><![CDATA[ein letztes Mal sehen]]></category>
		<category><![CDATA[Friedhofskapelle]]></category>
		<category><![CDATA[Kraft und Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Nervosität]]></category>
		<category><![CDATA[Träne]]></category>
		<category><![CDATA[Zärtlichkeiten]]></category>
		<category><![CDATA[Zauberstein]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.yorik-finnley.de/?p=337</guid>
		<description><![CDATA[Heute durften wir YoFi ein letztes Mal sehen und seit dem Morgen, wo uns die Uhrzeit für den Nachmittag genannt wurde, drehte ich fast durch, vor Aufregung und Angst. Einerseits freute ich mich so sehr, meinen kleinen Prinzen noch einmal sehen zu dürfen, andererseits hatte ich unglaubliche Angst, sein kleiner Körper könnte sich bereits so [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;">Heute durften wir YoFi ein letztes Mal sehen und seit dem Morgen, wo uns die Uhrzeit für den Nachmittag genannt wurde, drehte ich fast durch, vor Aufregung und Angst.<br />
Einerseits freute ich mich so sehr, meinen kleinen Prinzen noch einmal sehen zu dürfen, andererseits hatte ich unglaubliche Angst, sein kleiner Körper könnte sich bereits so verändert haben, dass ich ihn nicht mehr wieder erkenne.<br />
Es ist so unvorstellbar grausam, sich auch mit den Gedanken auseinander setzen zu müssen, dass der Körper, der nach dem Tod zurückbleibt, dem Verfall ausgeliefert ist. Eine Mutter erinnert sich an Wärme, den Duft ihres Kindes, wie sich die zarte Haut anfühlte und muss sich dann damit auseinandersetzen, dass dieser geliebte, kleine Körper sein „Verfallsdatum“ überschritten hat, als die Seele ihn verließ. Wie kann man das akzeptieren?<br />
All unsere Kinder, Partner unserer ältesten Töchter und auch unsere älteste Enkelin Zoe, begleiteten uns am Nachmittag. Der Bestatter empfing uns vor der Tür und vor lauter Nervosität sagte ich nur kurz „Guten Tag!“ und drückte ihm die Seile in die Hand, die wir am Tag zuvor vom Friedhofsmitarbeiter leihweise mitbekommen hatten.</p>
<p style="text-align: justify;">Jeden Tag versuchten wir uns zu beschäftigen, so gut es eben ging, um nicht zu viel nachzudenken, nicht jetzt schon in das tiefe Loch der Trauer zu fallen, das uns bremst, um die Kraft zu finden, unseren YoFi bestatten zu können. Also kümmerten wir uns um die Blumen, fuhren viele Kilometer, um genau die Vergissmeinnicht zu bekommen, die die Floristin dann in Gestecke und Sträuße verarbeiten würde und als die Blumen besorgt, Gestecke bestellt und bezahlt waren, die Traueranzeige aufgegeben war, standen wir Mittwoch hilflos da und wussten nicht, was wir noch tun könnten. Den Kindern erging es ebenso wie uns. Jessi stürzte sich mit einigen Freundinnen in die Planung der Bestattung, ging mit ihnen den möglichen Ablauf durch, organisierte mit ihnen, lenkte sich so von dem Schmerz ab.<br />
Timo und Micky versuchten die Kleinen abzulenken, spielten noch mehr als sonst mit ihnen, lasen ihnen vor, brachten sie sogar zu Bett, um etwas zu tun zu haben, was eben nicht bedeutet dazusitzen und nachzudenken. Sie kümmerten sich um die kleinen Schwestern, damit wir alles andere organisieren konnten. Doch wenn die Kleinen, die noch nicht wirklich verstehen können, dann im Bett waren, saßen wir zusammen und sprachen automatisch all das aus, was wir zu verdrängen versuchten.<br />
An einem dieser Abende, drucksten meine Söhne herum. Es war, als läge ihnen eine wichtige Frage auf der Seele, die sie sich nicht trauten auszusprechen. Also hakten wir nach und schließlich setzten sich Timo und Micky gerade auf, sahen uns fest an und fragten „Dürfen wir YoFi in seinem Sarg zum Grab tragen?“<br />
Wir redeten lange darüber und uns war bewusst, wie viel unseren Jungs dies bedeuten würde. Ihren Bruder tragen zu dürfen, sollte eine Ehrerweisung an ihn sein, ein Letztes, was sie für ihn tun konnten und es bedeutete ihnen so viel. Also rief ich am nächsten Tag den Bestatter an, um ihn zu fragen und er sagte sofort zu, dass er den Wunsch unserer Söhne unterstützen würde.<br />
Nachdem wir Mittwoch die Traueranzeige in Auftrag gegeben hatten, standen wir schlagartig vor einem Nichts dessen, was wir nun tun konnten. So fuhren wir zum Friedhof, in der Hoffnung, vielleicht schon sehen zu können, wo das Grab unseres Kindes sein würde. Ein sehr freundlicher Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, führte uns zu der Ecke, wo die Kindergräber sind, zeigte uns die Stelle und beantwortete all die Fragen, die wir zur Beerdigung und der Grabpflege später hatten. Wir sagten ihm, dass unsere Söhne den Sarg tragen wollen und er gab uns die Stricke mit, damit sie zu Hause üben konnten, denn es ist nicht so leicht, wie man vermuten mag, in respektvoller Gleichmäßigkeit, einen Sarg in die Erde zu lassen.<br />
Schließlich bezogen wir auch Werner, den Ehemann unserer Ronja mit ein, sowie Daniel, Jessis Freund und YoFis Pate. Am Abend trafen wir uns bei Ronja und Werner. Die Jungen schoben sich zwei Sofas gegenüber, nahmen einen Wäschekorb, dem sie noch Gewicht gaben und dann übten sie mit einer unbeschreiblichen Ernsthaftigkeit und Durchhaltevermögen, bis Tempo und Gleichmäßigkeit beim Herablassen, sie zufrieden stellten.<br />
Trotzdem wir alle wussten, wie notwendig das Üben war, fühlte sich niemand, vor allem die vier Männer, nicht wohl dabei. Schließlich wussten sie, dass sie damit übten, den Körper unseres kleinen Prinzen in eine kalte, feuchte Grube legen zu können. Aber keiner von ihnen, selbst Micky, mit seinen fünfzehn Jahren als der Jüngste unter ihnen, gestand sich zu, einen Rückzieher zu machen. Wir boten es ihnen an, aber je mehr wir ihnen versuchten zu verdeutlichen, dass es keine Schwäche ist, wenn sie dies nicht tun, je fester wurden sie in ihrem Beschluss. Dies war für sie die größte, ihnen noch mögliche Ehrerweisung an unseren kleinen Prinzen und sie würden sie ihm geben, egal was da auch käme.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun standen wir also vor der Friedhofskapelle, in deren Innerem der Sarg mit unserem YoFi aufgebahrt sein würde. Als die Tür sich öffnete, vergaß ich einen Moment all die Anderen an unserer Seite und ging voraus, Emmy an meiner Hand.<br />
Theoretisch zu wissen, wie klein der Sarg für den kleinen Körper unseres Prinzen sein würde, ist eine Sache, diesen winzigen Sarg dann zu sehen, eine ganz andere. So verloren, fast übersehbar klitzeklein, stand er auf dem flachen Tisch.<br />
Emmy und ich setzten uns auf die Stufen neben dem Tischchen und in dem Moment zeigten uns die Kleinen, dass Kinder mit einer so herzergreifenden Unbekümmertheit dem Tod begegnen, dass wir Erwachsenen schon so geprägt mit all den negativen Beigeschmäckern des Todes behaftet sind, denn während ich noch stumm und unter Tränen in den Sarg starrte, meinen kleinen Sohn betrachtete, der dalag, als schliefe er so friedlich und in seinen kleinen Händchen seinen Schmuseteddy hielt, beugten sich Emmy von links und Zoe von rechts über ihn, streichelten das zarte Gesicht, küssten YoFi auf die Stirn und begrüßten ihn, als besuchen sie ihn in der Klinik und er schaut sie wach an.<br />
Ich brauchte einen Moment, um dieses Bild in mir aufzunehmen. Es war so herzlich, so warm, fast freudig. Dann traute auch ich mich, meinen Sohn zu berühren. Mein Zögern lag nicht an der Angst dem Tod zu begegnen, sondern vielmehr daran, dass ich mich an weiche warme Haut erinnerte, von der ich wusste, dass ich sie jetzt nicht mehr so spüren können würde, wie ich es gewohnt war, wie ich es all die Monate so geliebt hatte.<br />
Die kleinen Finger, die Wangen, die Stirn, die sich so entzückend kräuselte, wenn YoFi mich früher angesehen hatte, waren so unbeschreiblich kalt. Seine Haut fühlte sich fest an, nicht mehr weich und nachgiebig, und für einen Moment erschrak ich vor diesem unbekannten Gefühl, mit dem meine Hände ertasteten, was mein Herz nicht verstehen will: Der Körper meines Kindes lebt nicht mehr.<br />
Ich nahm nicht mehr wahr, was um mich herum geschah, sah meine Familie nicht mehr, selbst dann nicht, wenn ich sie direkt anblickte und mit ihr sprach. Immer wieder fixierte ich den Anblick meines Babys, wie es dort lag, warm eingewickelt, beschützt und begleitet vom Teddy und je länger ich meinen YoFi anschaute, je mehr wurde mir bewusst, dass ich ihn heute zum letzten Mal körperlich würde berühren können.<br />
Aber so sehr es auch schmerzte, sich dem bewusst zu sein, so wichtig war es für uns alle auch, denn YoFis verlassenen Körper anzufassen, zeigte uns, mit all seiner grausamen Deutlichkeit, dass unser kleiner Prinz nicht mehr in diesem kleinen, geliebten Körper wohnt. Es war, als sagt eine leise Stimme aus weiter Ferne „Ich bin nicht mehr dort drin, aber ich weiß, dass Ihr dem Körper, der mich  irdisch mit Euch verband, einen Platz geben werdet, ihn nicht vergesst und an einen Ort bringt, an dem Ihr meiner auch außerhalb Eurer Herzen, ganz besonders gedenkt.“</p>
<p style="text-align: justify;">Emmy kniete sich wieder neben dem Sarg nieder. Auch Zoe, auf der anderen Seite und am Kopfende kniete Romy. Als nahmen sie YoFi beschützend in ihre Mitte. So viele Zärtlichkeiten schenkten sie ihm, so viele liebe Worte richteten sie an ihn und schließlich tat Emmy das, was sie schon getan hat, als ihr kleiner, so geliebter Bruder, noch in meinem Bauch war und mit dem sie ihm ihre Liebe zeigen, sich ihm vertraut machen wollte. Leise, kaum hörbar, sang sie ihm das Lied vor, das sie Beide so sehr miteinander verband „Funkel, funkel, kleiner Stern“. Währenddessen streichelten Zoe und Romy YoFi weiter, hielten ihren kleinen Kreis um ihn geschlossen. Es war, als hätten sie sich ohne Worte miteinander abgesprochen, taten einfach, ließen sich vom Gefühl lenken und strahlten dabei pure Liebe aus.<br />
Als wir schließlich schweren Herzens gehen wollten, mussten, nahm Emmy den Glastropfen, den sie seit YoFis Taufe als Erinnerung aufgehoben hatte, legte ihn auf die Stirn ihres kleinen Bruders und flüsterte ihm zu „Der Zauberstein zaubert Dich gesund, mein Spatzi. Er beschützt Dich und bringt Dich nach Hause. Am Montag bist Du gesund und kommst nach Hause, ja? Der Zauberstein hilft Dir dabei, uns zu finden.“ dann steckte sie den Glastropfen in ihre Tasche, küsste YoFi ein letztes Mal auf die Stirn und sagte „Wir können gehen. Yorik weiß jetzt, wie er uns findet.“<br />
Dann verließen alle, außer Micky und ich, die Kapelle. Micky, der all die Monate so tapfer versuchte stark zu bleiben, sich verbot einzuknicken, hatte die ganze Zeit mit Abstand zum Sarg gestanden. Ich machte mir Sorgen um ihn, wollte nicht, dass er sich disziplinierte, wo doch all die Gefühle in ihm wüteten. Also legte ich meinen Arm um ihn und ging ganz nah zu YoFi. Dort streichelte ich die kleine Hand unseres Prinzen noch einmal, nahm Mickys Hand und führte sie bis nah vor Yoriks kleine Finger. Und endlich brach ein kleines Stück des Eises in meinem mittleren Sohn. Sacht streichelte nun auch er die winzige Hand des Bruders, dem er doch so viel zeigen wollte und eine einzelne Träne stahl sich aus seinem Augenwinkel. Ich drückte Micky noch etwas fester und als wir Arm in Arm hinaus gingen, sagte ich ihm, dass diese Träne ein besonders kostbares Geschenk ist, dass er unserem YoFi hier lässt. Micky schluckte, nickte nur und dann gingen auch wir hinaus, verließen den<br />
Ort, an dem wir unseren kleinen Prinzen ein letztes Mal sehen konnten und wussten, YoFi hatte uns, wie auch zu Lebzeiten, auch dieses Mal etwas mitgegeben. Sein größtes Geschenk an uns, seine Kraft und Liebe, die nie vergehen werden.</p>
]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://www.yorik-finnley.de/2012/02/23/ein-letztes-mal-sehen/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>3</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

